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Rockabilly und 50er Jahre Frisuren: Victory Rolls, Pompadour und Bandana
Eine Retro-Frisur wirkt auf Fotos oft so aufwendig, dass viele sie gar nicht erst versuchen. Dabei beruhen fast alle klassischen Looks der 40er und 50er Jahre auf denselben drei Handgriffen: Volumen über der Stirn, eine eingedrehte Rolle und ein Tuch, das alles zusammenhält. Wer diese drei beherrscht, kommt sehr weit.
Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Frisuren der Zeit und wie sie entstehen. Er zeigt, was Victory Rolls sind und woher sie kommen, wie ein Pompadour aufgebaut ist, wie ein Bandana richtig gebunden wird und welche Variante zu welcher Haarlänge passt. Make-up bleibt außen vor, das behandeln wir im Artikel Was ist Pin-up?
Welche Frisuren gehören zum Rockabilly- und 50er-Jahre-Stil?
Zum Stil gehören Victory Rolls, der Pompadour, das gebundene Bandana, weiche eingedrehte Locken, der hohe Pferdeschwanz und der kurze gerade Pony. Gemeinsam ist ihnen, dass das Gesicht frei bleibt und das Volumen oben sitzt, nicht an den Seiten.
Das ist kein Zufall. Die Frisuren stammen aus einer Zeit, in der Frauen mit langen offenen Haaren an Maschinen arbeiteten oder in der Öffentlichkeit als ungepflegt galten. Haare wurden hochgesteckt, eingerollt oder gebunden, und daraus entwickelte sich ein eigener Formenkanon. Woher der Kleidungsstil dazu kommt, erklären wir im Artikel Was ist Rockabilly?
Streng genommen sind die Frisuren älter als die Szene, die sie heute trägt. Victory Rolls und Pompadour sind 40er Jahre, der Pferdeschwanz und der Pony sind 50er, die hoch toupierte Bienenkorbfrisur ist bereits 60er. In der Rockabilly-Szene laufen sie alle nebeneinander.
Was sind Victory Rolls?
Victory Rolls sind zwei nach oben eingedrehte Haarrollen, die links und rechts über der Stirn sitzen. Sie sind die bekannteste Frisur der 1940er Jahre und bis heute das deutlichste Erkennungszeichen eines Retro-Looks.

Woher die Victory Rolls kommen
Die Frisur ist eindeutig in den Kriegsjahren belegt, die Herkunft des Namens dagegen nicht. Am häufigsten wird er aus der Luftfahrt abgeleitet: Als Victory Roll bezeichnete man das Rollmanöver, das Kampfpiloten nach einem erfolgreichen Einsatz über dem eigenen Flugplatz flogen. Ebenso plausibel sind allerdings ein Bezug zur V-for-Victory-Kampagne oder schlicht die V-Form, die die beiden Rollen zusammen bilden. Eine zeitgenössische Quelle, die eine der drei Erklärungen bestätigt, gibt es nicht. Mehr zu der Zeit, in der die Frisur entstand, steht im Artikel über die Mode der 40er Jahre.
Wie Victory Rolls gelegt werden
Die Rollen brauchen Griffigkeit, deshalb funktionieren sie auf frisch gewaschenem Haar am schlechtesten. Trockenshampoo oder Haare vom Vortag sind die bessere Grundlage. Das Deckhaar wird in der Mitte geteilt, eine Partie wird abgenommen, nach oben gekämmt, am Ansatz leicht toupiert und dann um zwei Finger oder einen Kamm zu einer Rolle nach innen gedreht. Die fertige Rolle wird mit gekreuzten Haarklammern am Ansatz festgesteckt, nicht an der Rolle selbst, sonst drückt sie sich flach. Dann dieselbe Prozedur auf der anderen Seite und zum Schluss Haarspray.
Realistisch gesagt: Die ersten Versuche sitzen schief, und das ist normal. Die Rolle hält über den toupierten Ansatz, nicht über die Klammern. Wer das einmal verstanden hat, braucht nach ein paar Durchgängen etwa zehn Minuten.
Was ist ein Pompadour?
Ein Pompadour ist eine Partie Deckhaar, die über der Stirn nach oben gekämmt, mit Volumen gefüllt und nach hinten gesteckt wird. Er ist die einfachste Retro-Frisur überhaupt und lässt sich mit jeder anderen kombinieren.

Der Name geht auf Madame de Pompadour zurück, die Mätresse Ludwigs XV. Sie selbst trug die Frisur so allerdings nicht, die Bezeichnung entstand erst viel später. In den 40er und 50er Jahren kam die Form in flacherer Variante zurück, bei Frauen als weiche Welle über der Stirn, bei Männern als steil aufgerichtete Tolle, für die Elvis Presley das bekannteste Beispiel ist.
Praktisch geht es so: eine Partie vom Deckhaar abnehmen, am Ansatz toupieren, nach vorn über die Stirn klappen, die Oberfläche glatt kämmen, nach hinten rollen und feststecken. Wer mehr Höhe möchte, legt vor dem Feststecken eine kleine Haarrolle darunter. Der Rest der Haare bleibt offen, wird zum Pferdeschwanz gebunden oder unter einem Tuch verstaut.
Wie binde ich ein Bandana im Rockabilly-Stil?
Für die klassische Variante wird ein quadratisches Tuch diagonal zum Dreieck gefaltet, mit der langen Kante von hinten über den Kopf gelegt und über der Stirn zum Knoten gebunden, sodass die beiden Enden als Schleife nach oben stehen.

Das klassische Tuch über dem Kopf
Diese Form kommt aus der Fabrikarbeit der Kriegsjahre. Frauen banden sich Tücher um, damit die Haare nicht in Maschinen gerieten, und das Bild davon wurde später zum Symbol für eine ganze Generation. Getragen wird es so: Tuch zum Dreieck falten, die lange Kante im Nacken ansetzen, die Spitze liegt auf dem Hinterkopf, die beiden Enden nach vorne führen und über der Stirn verknoten. Die Spitze wird darunter versteckt. Für den typischen Rockabilly-Look kommt ein Pompadour vor das Tuch, sodass über der Stirn ein Stück Haar sichtbar bleibt.
Das schmale Haarband als Alternative
Wer es unkomplizierter mag, nimmt ein langes schmales Tuch oder ein Drahthaarband, legt es unter den Haaren durch und bindet es oben zur Schleife. Das dauert eine halbe Minute, hält die Haare aus dem Gesicht und wirkt trotzdem eindeutig retro. Für den Alltag ist das die praktischste Variante, weil sie auch zu offenen Haaren funktioniert.
Welche Rockabilly-Frisur geht schnell?
Am schnellsten geht der hohe Pferdeschwanz mit Pompadour und Tuch. Er braucht keine Rollen, keine Lockenwickler und verzeiht ungewaschene Haare.
Dafür wird das Deckhaar wie oben beschrieben nach vorn toupiert und festgesteckt, der Rest hoch am Hinterkopf zusammengebunden und ein schmales Tuch als Schleife darum gelegt. In den 50er Jahren war genau das die Alltagsfrisur der Teenager, während die aufwendigen Rollen eher zum Ausgehen gehörten. Wer die Spitzen zusätzlich über Nacht eindreht, bekommt am nächsten Morgen den typischen Schwung dazu.
Welche 50er-Jahre-Frisuren funktionieren mit langen Haaren?
Lange Haare eignen sich für weiche eingedrehte Locken, den hohen Pferdeschwanz, Victory Rolls mit offenem Deckhaar und für die eingerollten Spitzen, die unter dem Kinn nach innen zeigen.

Die klassische Grundlage dafür sind Pin Curls. Feuchte Haarsträhnen werden flach zu kleinen Schnecken eingedreht, mit Klammern am Kopf fixiert und trocknen über Nacht. Wichtig ist, dass das Haar vollständig trocken ist, sonst fällt die Welle sofort wieder aus. Am Morgen werden die Schnecken gelöst und mit den Fingern oder einer weichen Bürste ausgekämmt, was die typische ruhige Welle ergibt statt einzelner definierter Locken. Wer keine Nacht investieren will, erreicht mit großen Lockenwicklern oder einem Lockenstab mit dickem Durchmesser ein ähnliches Ergebnis, sollte die Locken danach aber unbedingt ausbürsten. Ausgebürstet ist der Unterschied zwischen Retro und Ballnacht.
Welche Retro-Frisur passt zu kurzen Haaren?
Kurze Haare tragen den Pompadour, kleine Victory Rolls über der Stirn, weiche kurze Locken und den geraden Pony. Für Bob-Längen funktioniert außerdem der eingerollte Saum, bei dem die Spitzen rundherum nach innen gedreht werden.
Die kurze Variante der 50er Jahre ist der Poodle Cut, eine Kappe aus kurzen weichen Locken, die vor allem durch Lucille Ball bekannt wurde. Ebenfalls gut umsetzbar ist alles, was mit einem Tuch arbeitet, weil ein Tuch fehlende Länge nicht verrät. Der gerade kurze Pony, den Bettie Page zu ihrem Erkennungszeichen machte, ist die markanteste Kurzhaarvariante überhaupt und gleichzeitig die pflegeleichteste, weil er nur regelmäßig nachgeschnitten werden muss.
Wie trage ich offene Haare im Retro-Stil?
Offene Haare wirken dann retro, wenn oben Volumen sitzt und die Spitzen eine klare Form haben. Ohne diese beiden Elemente bleibt es eine moderne Frisur.
Die einfachste Kombination ist ein Pompadour oder ein Seitenscheitel mit toupiertem Ansatz, dazu eingedrehte Spitzen und ein schmales Haarband. Wer nur eine Sache machen will, sollte die Spitzen nehmen: nach innen eingerollte Enden lesen sich sofort als 50er Jahre, während offene glatte Längen neutral bleiben. Eine Alternative ist die halboffene Variante, bei der nur das Deckhaar in zwei Rollen gesteckt wird und der Rest offen fällt.
Welche Frisur passt zu welchem Jahrzehnt?
Die Zuordnung hilft, wenn das Outfit einem bestimmten Jahrzehnt folgen soll. Grob gilt: je höher und runder das Volumen sitzt, desto später das Jahrzehnt.
| Jahrzehnt | Typische Frisuren | Merkmal |
|---|---|---|
| 30er Jahre | Wasserwelle, kurze gelegte Locken | flach am Kopf anliegend |
| 40er Jahre | Victory Rolls, Pompadour, Kopftuch | Volumen über der Stirn, Länge hochgesteckt |
| 50er Jahre | weiche Locken, Pferdeschwanz, Poodle Cut, gerader Pony | runder und weicher, Gesicht frei |
| 60er Jahre | Bienenkorb, toupierte Hochfrisur, glatter Pony | Volumen wandert nach oben und hinten |
In der Praxis wird das selten streng getrennt. Auf einer Veranstaltung der Szene stehen Victory Rolls neben Pferdeschwänzen neben Tüchern, und niemand rechnet nach. Wo man das am ehesten sieht, steht in unserem Festivalkalender.
Was brauche ich für eine Retro-Frisur?
Die Grundausstattung ist klein: Haarklammern, ein Toupierkamm, Haarspray mit festem Halt und ein Tuch. Damit lassen sich Pompadour, Victory Rolls und alle gebundenen Varianten umsetzen.

Dazu kommen je nach Frisur große Lockenwickler oder Klammern für Pin Curls, ein Schaumfestiger für griffigeres Haar und bei sehr feinem Haar eine kleine Haarrolle, die unter dem Deckhaar für Höhe sorgt. Ein Lockenstab ist optional und ersetzt die Nacht mit Wicklern, verlangt aber das anschließende Ausbürsten. Was man dagegen nicht braucht, ist ein Friseurtermin. Alle Frisuren in diesem Artikel sind auf Selbermachen ausgelegt und wurden ursprünglich auch so getragen.
Häufige Fragen zu Rockabilly- und Retro-Frisuren
Was sind Victory Rolls?
Zwei nach oben eingedrehte Haarrollen über der Stirn, getragen in den 1940er Jahren. Woher der Name kommt, ist nicht gesichert. Genannt werden das gleichnamige Rollmanöver der Kampfpiloten, die V-for-Victory-Kampagne und die V-Form der beiden Rollen.
Welche Rockabilly-Frisur ist am einfachsten?
Der hohe Pferdeschwanz mit toupiertem Deckhaar und einem Tuch als Schleife. Er braucht weder Rollen noch Lockenwickler und funktioniert auf ungewaschenem Haar.
Wie bekomme ich Victory Rolls stabil?
Über den toupierten Ansatz, nicht über die Klammern. Die Haarklammern werden gekreuzt am Haaransatz gesetzt, nicht in die Rolle selbst, sonst drückt sie sich flach.
Funktionieren Retro-Frisuren mit kurzen Haaren?
Ja. Pompadour, kleine Rollen über der Stirn, weiche kurze Locken und der gerade Pony brauchen keine Länge. Gebundene Tücher verdecken fehlende Länge zusätzlich.
Wie binde ich ein Bandana?
Quadratisches Tuch diagonal zum Dreieck falten, die lange Kante im Nacken ansetzen, die Enden nach vorne führen und über der Stirn zur Schleife knoten. Die Spitze wird darunter versteckt.
Was ist ein Pompadour?
Eine nach oben gekämmte und mit Volumen gefüllte Partie Deckhaar über der Stirn, die nach hinten gesteckt wird. Benannt nach Madame de Pompadour.
Welche Frisur passt zu einem Petticoatkleid?
Alles, was das Gesicht frei lässt und oben Volumen hat. Zum weiten Rock passen Pferdeschwanz, hochgesteckte Varianten oder Victory Rolls besser als offene glatte Längen.
Braucht man für Retro-Frisuren einen Friseur?
Nein. Die Frisuren wurden ursprünglich zu Hause gemacht und kommen mit Klammern, Kamm und Haarspray aus. Nur der gerade kurze Pony muss regelmäßig nachgeschnitten werden.
Fazit
Retro-Frisuren sehen komplizierter aus, als sie sind. Fast alle bauen auf denselben Prinzipien auf: Volumen oben, Gesicht frei, klare Form an den Spitzen. Wer Pompadour und Tuch kann, hat die Hälfte der Szene abgedeckt, und Victory Rolls sind nach ein paar Durchgängen eine Sache von zehn Minuten.
Für den Alltag reicht meistens weniger, als man denkt. Ein Haarband und eingedrehte Spitzen verwandeln offene Haare bereits in einen Retro-Look, ohne dass es nach Kostüm aussieht. Die aufwendigen Varianten bleiben für Veranstaltungen, bei denen sich der Aufwand lohnt.
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