Was ist ein Petticoat? Länge, Volumen und wie man ihn trägt

Ein Petticoat entscheidet darüber, ob ein Kleid der 1950er Jahre wirklich schwingt oder ob der Rock am Bein hängt. Er ist das Teil, das niemand sieht und ohne das der ganze Look nicht funktioniert.

Dieser Artikel erklärt, was ein Petticoat genau ist, woher er kommt, welche Länge und welches Volumen zu welchem Rock gehören, welches Material nicht kratzt und wie man ihn wäscht, ohne ihn zu ruinieren.

Was ist ein Petticoat?

Ein Petticoat ist ein Unterrock aus Tüll, Netzstoff oder Chiffon, der weiten Röcken und Kleidern Volumen gibt. Er wird unter dem Rock an der natürlichen Taille getragen, hat meist einen elastischen Bund und besteht aus mehreren übereinanderliegenden Lagen, die den Stoff darüber abstehen lassen.

Petticoat in Bordeaux aus mehreren Lagen Tüll mit Rüschensaum, am Model
Ein Petticoat besteht aus mehreren Lagen Tüll und arbeitet ohne Gestell. Hier das Modell Lifeforms von Banned Retro in Bordeaux mit 26 Zoll Länge.

Vom klassischen Unterrock unterscheidet ihn der Zweck. Ein Unterrock ist glatt geschnitten und sorgt dafür, dass ein Rock nicht durchscheint oder an der Strumpfhose klebt. Ein Petticoat soll auffallen, ohne gesehen zu werden: Er formt die Silhouette. Und anders als eine Krinoline oder ein Reifrock arbeitet er ohne Gestell, allein über die Menge und Steifigkeit des Stoffes.

Petticoat Kleid: was damit gemeint ist

Im Deutschen hat das Wort noch eine zweite Bedeutung. Mit „Petticoat“ oder „Petticoatkleid“ ist umgangssprachlich oft das ganze Kleid gemeint, also das weit schwingende Kleid der 50er Jahre samt Unterrock. Wer ein Petticoat Kleid sucht, sucht in der Regel das Kleid, nicht den Unterrock darunter.

Gemeint sind damit die Schnitte mit schmalem Oberteil und Tellerrock oder Halbteller, wie sie in unseren Kollektionen Swing Kleider und Rockabilly Kleider stehen. Die Kleider werden ohne Petticoat verkauft und sitzen auch ohne gut, sie hängen nur ruhiger. Der Petticoat kommt dazu, wenn der Rock stehen soll. Wie du die passende Länge dafür findest, steht weiter unten.

Woher kommt der Petticoat?

Unterröcke, die einen Rock abstehen lassen, gibt es seit Jahrhunderten, vom Reifrock bis zur Krinoline. Der Petticoat, wie man ihn heute kennt, ist aber ein Kind der Nachkriegszeit.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Silhouette schmal, und in den 1940er Jahren sorgten Rationierung und Stoffmangel für gerade, kantige Schnitte. Volumen war jahrzehntelang aus der Mode.

Die Wende kam 1947 mit Christian Diors erster Kollektion, die als New Look in die Modegeschichte einging: schmale Taille, weiter, wadenlanger Rock, viel Stoff. Diese Röcke brauchten Unterstützung von unten, und aus leichtem, waschbarem Tüll entstand der Petticoat, wie man ihn heute kennt.

In den 1950er Jahren wurde er zum Kennzeichen einer ganzen Generation. Mehrere Lagen übereinander unter dem Tellerrock waren normal. In Deutschland fiel die Mode mit dem Wirtschaftswunder und der Rock-’n’-Roll-Begeisterung der Halbstarken zusammen, wo der Petticoat beim Tanzen genau das tat, wofür er gebaut war: fliegen.

Ende der 50er Jahre wurde die Silhouette wieder schmaler, in den 60ern verschwand das Volumen ganz. Zurück kam der Petticoat mit dem Rockabilly-Revival der 1980er Jahre, und dort ist er bis heute geblieben. Mehr zu dieser Szene steht im Artikel Was ist Rockabilly?

Welche Länge braucht ein Petticoat?

Der Petticoat sollte genauso lang sein wie der Rock darüber oder ein bis zwei Zentimeter kürzer, gemessen ab der Unterkante des Taillenbunds. Ist er deutlich kürzer, zeichnet sich seine Kante im Rockstoff ab. Ist er länger, schaut er unten heraus.

Verkauft werden Petticoats meist in Zoll, weil die Längenangaben aus dem englischsprachigen Raum stammen. Drei Längen decken fast alles ab:

Länge in Zentimetern Endet etwa Passt zu
20 Zoll ca. 50 cm oberhalb des Knies kurze Tellerröcke, Kleider knapp übers Knie
23 Zoll ca. 58 cm am Knie die meisten Swingkleider
26 Zoll ca. 66 cm Mitte Wade wadenlange Röcke, klassische 50er-Jahre-Kleider

Die Angabe gilt immer ab der Taille, nicht ab dem Boden. Bei sehr großen oder sehr kleinen Frauen verschiebt sich der Saum entsprechend, weshalb im Zweifel das eigene Lieblingskleid ausgemessen wird: von der Taillennaht bis zum Saum, und dieser Wert ist die gesuchte Petticoat-Länge.

Wie viel Volumen ist richtig?

Das nötige Volumen hängt von der Rockform und vom Gewicht des Stoffes ab. Ein leichter Baumwollrock steht schon mit einer einzelnen Lage schön ab, ein schwerer Rock aus Sateen oder Wollmischung braucht deutlich mehr Stütze, sonst drückt er den Petticoat einfach zusammen.

Zwei Dinge helfen bei der Einschätzung. Erstens wirkt ein Petticoat allein am Bügel immer üppiger als später unter dem Rock, dort verliert er einen guten Teil seiner Fülle. Zweitens gilt: Lieber etwas mehr Volumen kaufen, denn ein zu voluminöser Petticoat lässt sich flach tragen, ein zu dünner bleibt dünn.

In den 50er Jahren war es üblich, zwei oder drei Petticoats übereinander zu tragen. Für den Alltag reicht heute einer. Zwei Lagen lohnen sich, wenn getanzt wird oder wenn ein Kleid auf Fotos besonders voll wirken soll.

Welche Kleider und Röcke brauchen überhaupt einen?

Geeignet sind alle weit ausgestellten Formen: Tellerröcke, Halbteller, Swingkleider und die klassischen 50er-Jahre-Kleider mit schmalem Oberteil und ausgestelltem Rock. Ungeeignet sind Bleistiftröcke, Etuikleider, Plissee- und Faltenröcke sowie gerade geschnittene Kleider der 60er Jahre, wie sie zum Audrey Hepburn Stil gehören.

50er-Jahre-Swingkleid in Hellblau mit schmalem Oberteil und weit ausgestelltem Rock
Ein klassischer Swingschnitt: schmales Oberteil, weit ausgestellter Rock. Genau diese Form profitiert vom Petticoat.

Ein einfacher Test: Den Rock flach auf den Boden legen und ausbreiten. Bildet er einen Halbkreis oder Kreis, ist er ein Fall für den Petticoat. Bildet er ein schmales Trapez, bringt der Unterrock nichts außer Beulen. Welche Schnitte im Sortiment welche Form haben, sieht man in den Kollektionen Kleider und Röcke.

Welches Material kratzt nicht?

Weicher Tüll aus Polyester oder Polyamid ist für den Alltag die beste Wahl: pflegeleicht, formstabil und angenehm auf der Haut. Steifer Netztüll erzeugt das meiste Volumen, kratzt aber und kann Strumpfhosen ziehen. Chiffon ist die weichste und teuerste Variante.

Material Griff Volumen Geeignet für
Weicher Tüll (Polyester, Polyamid) weich, kratzt kaum mittel bis hoch Alltag, erster Petticoat
Steifer Netztüll kratzig auf der Haut sehr hoch Bühne, Foto, kurze Auftritte
Chiffon sehr weich, fließend hoch, weicherer Fall viel Fülle ohne Kratzen
Baumwolle oder Batist weich, atmungsaktiv gering leichte Röcke, heiße Tage

Wer einen steifen Petticoat besitzt und ihn behalten will, trägt einen glatten Unterrock oder eine Strumpfhose darunter. Das löst das Kratzen und kostet kaum Volumen.

Welche Größe wählt man?

Petticoats werden nach der normalen Konfektionsgröße gewählt und häufig in Doppelgrößen angeboten, weil der elastische Bund einen Bereich abdeckt. Entscheidend ist, dass der Bund an der natürlichen Taille sitzt, also oberhalb der Hüftknochen und unterhalb der schmalsten Stelle des Oberkörpers.

Sitzt der Bund zu tief, rutscht der Petticoat beim Gehen und verliert Volumen genau dort, wo es gebraucht wird. Ein Bund, der sich verstellen lässt, ist deshalb praktischer als ein reiner Gummizug.

Petticoat Lifeforms von Banned Retro, Tüll mit Rüschensaum

Unser Petticoat: Lifeforms von Banned Retro

26 Zoll (etwa 66 cm) lang, also für wadenlange Röcke und die klassischen 50er Jahre Kleider. Weicher Tüll mit Futter und Rüschensaum, eingeknüpftes Gummiband, über das sich Weite und Höhe verstellen lassen, in den Doppelgrößen XS/S, M/L und XL/2XL. In sieben Farben, von Weiß und Schwarz bis Bordeaux und Mint. 59,90 €.

Zum Petticoat im Shop

Wie trägt man einen Petticoat richtig?

Der Petticoat kommt direkt unter das Kleid, mit dem Bund an der natürlichen Taille und über Slip oder Strumpfhose. Er ist Unterwäsche, und genau so wird er getragen: Wenn ein schmaler Streifen Rüsche unter dem Saum hervorblitzt, ist das in Ordnung, mehr aber nicht. Schaut er weit heraus, wirkt der Look nicht mehr stimmig, denn in den 50er Jahren galt ein sichtbarer Petticoat als frivol. Die Farbe wird außerdem so gewählt, dass sie nicht durch den Rock scheint.

Weißes Swingkleid mit Blumenmuster und weit ausgestelltem Rock
Richtig getragen ist vom Petticoat nichts zu sehen, nur seine Wirkung auf den Rock darüber.
  • Farbe: Weiß und Elfenbein unter hellen Stoffen, Schwarz unter dunklen. Ein farbiger Petticoat lohnt sich nur, wenn er beim Drehen absichtlich aufblitzen soll.
  • Anziehreihenfolge: erst Strumpfhose, dann Petticoat, dann Kleid. Wer das Kleid zuerst anzieht, drückt beim Nachschieben die Lagen platt.
  • Einmal drehen: Wenn Petticoat und Kleid sitzen, einmal mit Schwung um die eigene Achse drehen. Dabei legt sich der Rock gleichmäßig auf den Petticoat und bleibt dann so.
  • Hinsetzen: den Rock mit beiden Händen nach hinten streichen und sich darauf setzen, sonst schiebt sich der Petticoat vorn hoch.
  • Auto und Kino: Der Stoff lässt sich problemlos zusammendrücken. Nach längerem Sitzen kurz aufschütteln, dann steht er wieder.
  • Wind: Weite Röcke mit Petticoat fliegen leichter. Ein kurzer Unterrock oder eine Radlerhose darunter ist im Sommer eine ruhige Lösung.

Wie wäscht und lagert man einen Petticoat?

Petticoats werden im Wäschenetz von Hand oder im Woll- beziehungsweise Feinwaschgang bei 30 Grad gewaschen, ohne Weichspüler und ohne Trockner. Anschließend hängend trocknen. Weichspüler und Hitze zerstören die Steifigkeit der Fasern, und genau die erzeugt das Volumen.

Häufig gewaschen werden muss ein Petticoat ohnehin nicht, weil er kaum Hautkontakt hat. Zwischendurch reicht Auslüften. Ist er nach dem Waschen oder nach einer Reise platt, hilft Dampf: einmal über die Duschwanne hängen, während heißes Wasser läuft, oder mit dem Dampfbügeleisen aus zwanzig Zentimetern Abstand darüberfahren, ohne den Stoff zu berühren.

Beim Aufbewahren machen die meisten denselben Fehler: Sie hängen den Petticoat in den Schrank. Genau dabei hängt sich das Volumen mit der Zeit aus. Unser Tipp aus dem Laden ist ein anderer. Den gut durchgetrockneten Petticoat klein zusammenknautschen, in einen alten Stoffbeutel oder Kissenbezug stecken und unten in den Schrank legen. So bleibt das Volumen erhalten, und vor dem nächsten Tragen schüttelt man ihn einmal kräftig auf.

Häufige Fragen zum Petticoat

Wie lang muss ein Petticoat sein?

So lang wie der Rock darüber oder ein bis zwei Zentimeter kürzer, gemessen ab dem Taillenbund. Übliche Längen sind 20 Zoll (etwa 50 cm), 23 Zoll (etwa 58 cm) und 26 Zoll (etwa 66 cm).

Kratzt ein Petticoat?

Weicher Tüll aus Polyester oder Polyamid kratzt kaum, steifer Netztüll dagegen deutlich. Wer empfindlich ist, trägt einen glatten Unterrock oder eine Strumpfhose darunter, das kostet fast kein Volumen.

Kann man einen Petticoat waschen?

Ja, im Wäschenetz von Hand oder im Fein- oder Wollwaschgang bei 30 Grad. Kein Weichspüler, kein Trockner, hängend trocknen. Häufiges Waschen ist nicht nötig, weil der Petticoat kaum Hautkontakt hat.

Wie bewahrt man einen Petticoat auf?

Nicht hängend. Klein zusammengeknautscht in einem Stoffbeutel oder Kissenbezug unten im Schrank behält er sein Volumen. Am Bügel hängt es sich mit der Zeit aus.

Braucht jedes 50er-Jahre-Kleid einen Petticoat?

Nein. Nur weit ausgestellte Schnitte profitieren davon. Bleistiftkleider, Etuikleider und gerade geschnittene 60er-Jahre-Modelle werden mit Petticoat unförmig.

Fazit

Der Petticoat ist das unsichtbare Bauteil des 50er-Jahre-Looks. Drei Entscheidungen bestimmen, ob er funktioniert: die Länge, die zum Rock passt, das Volumen, das zum Stoffgewicht passt, und ein Material, das man den ganzen Tag tragen mag.

Wer damit anfängt, fährt mit einem weichen Tüllmodell in der eigenen Konfektionsgröße und in der Länge des Lieblingskleides am besten. Alles Weitere, mehrere Lagen, farbige Varianten, steifer Tüll für den Auftritt, kommt später von allein.

Bei Bright House Vintage findest du retro- und vintage-inspirierte Damenmode im Stil der 1930er bis 1960er Jahre, neu produziert und in laufenden Größen. Passende weite Schnitte bündeln unsere Kollektionen Kleider und Röcke. Und wenn dich interessiert, wie die weite Rockform überhaupt in die Mode kam, liest du das in unserem Artikel über die 50er Jahre und den New Look.

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